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Die Schwächen des Deutschen Gesundheitssystems und Ihre Folgen für Versicherte

Die Gesetzlichen Krankenkassen bereiten den Politkern und Ihren Versicherten immer wieder aufs Neue ernsthafte Sorgen.

Die Gesetzlichen Krankenkassen bereiten den Politkern und Ihren Versicherten immer wieder aufs Neue ernsthafte Sorgen. Versicherte merken das, dass aktuelle Gesundheitssystem in seiner jetzigen Form nicht gerade den besten Schutz bieten kann und in Zukunft auch nicht bieten wird. Seit Jahren stagnieren die Leistungen der Gesetzlichen Krankenkassen und in einigen Arztpraxen wirkt die Behandlung von Patienten eher einer Massenabfertigung. Individuelle und persönliche medizinische Behandlung und Betreuung? – darauf müssen die Versicherten der Gesetzlichen Krankenkassen verzichten.

Politiker müssen sich über die Finanzierung der Gesetzlichen Krankenkassen Gedanken machen. Immer häufiger sind die Krankenkassen auf Zuschüsse von der Bundesregierung angewiesen, um überhaupt Ihre Ausgaben decken zu können.

 

Ein schwieriges System – das deutsche Gesundheitssystem

In den letzten Wochen mussten 3 Betriebskrankenkassen finanzielle Schwierigkeiten bei dem Bundesversicherungsamt melden. Schon seit längerer Zeit informieren Experten, dass die finanziellen Mittel des Gesundheitsfonds nicht ausreichen und die Bundesregierung zusätzliches Geld für die Gesetzlichen Krankenversicherung, zur Verfügung stellen muss. Es geht hier um Summen von 15 Milliarden Euro für das Jahr 2010. Im nächsten Jahr sollen zusätzliche 11 Milliarden überwiesen werden.

Was ist nur los mit dem Deutschen Gesundheitssystem, in dem Versicherte nur eine grundlegende medizinische Versorgung erhalten, Krankenkassen tatsächlich von einer Insolvenz bedroht sind und die Politik jedes Jahr aufs Neue, zusätzliches Kapital in den Gesundheitsfonds einzahlen muss? Können wirklich nur die Versicherten für die finanziell, desolate Situation des Gesundheitssystems verantwortlich sein? Die Antwort darauf ist nicht ganz einfach, aber nur die Versicherten selbst, können dafür nicht verantwortlich sein. Das Handelsblatt hat bezüglich der schwierigen finanziellen Situation des deutschen Gesundheitssystems, einen überaus informativen und lesenwerten Artikel veröffentlicht – „Das kranke System“ von Marc Neller.

 

Das deutsche Gesundheitssystem verschlingt nicht weniger als stolze 263 Milliarden Euro im Jahr. Von diesem Geld geben die Gesetzlichen Krankenkassen 170 Milliarden Euro nur für Medikamente und medizinische Behandlungen aus. Wichtige Ausgaben, immerhin sollten die Versicherten der Gesetzlichen Krankenversicherung auch bei Krankheit versorgt werden. Dennoch sollte die Effizienz dieser Kostenausgaben näher betrachtet werden. Und genau hier scheinen einige ungünstige Situation für unnötige Kosten

 

 

Zuviele Behandlungen wegen Wehwechen oder Pseudobeschwerden

Natürlich müssen sich auch die Versicherten durchaus Gedanken machen. Viele Ärzte weisen schon sehr deutlich darauf hin, dass viele Versicherte wegen irgendwelchen Pseudobeschwerden oder kleineren Wehwechen zum Arzt gehen. Im Durchschnitt geht ein Deutscher 18 Mal im Jahr zum Arzt. Und jede ärztliche Behandlung sorgt für eine zusätzliche Ausgabe für die Gesetzlichen Krankenkassen. Würde manche Versicherten genauer darauf achten ob Sie tatsächlich eine Behandlung benötigen oder nicht, würde dies schon das Gesundheitssystem entlasten.

 

Zu viele Spezialisten – Zu hohes Honorar

Seit Anfang 2009 bekommen Kassenärzte zwar nur noch einen festen Betrag für jeden Patient und pro Quartal. Dies sollte eigentlich mit die Kosten für Behandlungen bei Ärzten senken. Doch das Problem besteht in den Spezialisten – den Fachärzten. Zu häufig werden Patienten von Ihrem Hausarzt zu einem Spezialist überwiesen. Zwar könnten auch die Hausärzte in vielen Fällen die Behandlung übernehmen, aber mit aufwendigen Behandlungen verdienen Hausärzte nicht gut. Daher werden Patienten kurz begutachtet und an einen Spezialist überweisen. Hier steckt der nächste große Ausgabenblock: Erst die Vielfachuntersuchung und die Behandlung bei einem Spezialist. Und diese Behandlungen sind teuer – deutlich teurer als die beim Hausarzt.

Hier greift aber auch schon das nächste Problem. Denn immer mehr Medizinstudenten entscheiden sich zum Spezialist auszubilden (z.B. Schmerztherapeut, Psychologen, Diabetologen). Diese verdienen schließlich deutlich besser. Hausärzte verdienen einfach viel weniger. Die Folge: es gibt immer weniger Hausärzte und mehr und mehr Versicherte werden Spezialisten überwiesen. Ausgaben der Gesetzlichen Krankenkassen steigen. Insgesamt bekommen die Ärzte von den Gesetzlichen Krankenkassen 45 Milliarden Euro im Jahr überwiesen.

 

Viele Kliniken – teure Behandlungen

In Deutschland existieren rund 2.100 Krankenhäuser. In Bezug auf die Einwohner von Deutschland, existieren in Deutschland so viele Krankenhäuser, wie in keinem anderen Land. Doch die Vielzahl der Krankenhäuser macht noch nicht das Problem aus. Die Gesetzlichen Krankenkassen überweisen an die Klinken 56 Milliarden Euro im Jahr. Damit bilden die Kliniken die größte Ausgabe des deutschen Gesundheitssystems. Grund für die hohen Kosten der Kliniken bestehen in den gut ausgebildeten Fachärzten in den Kliniken und den zum Teil überdurchschnittlich gut ausgerüsteten Kliniken. Denn Krankenhäuser sind eigenständige Unternehmen, welche wirtschaftlich arbeiten müssen. Wie fast überall in der Privatwirtschaft darf ein Unternehmen aber nicht im Fortschritt zurückfallen und ein neues Produkt nicht wahrnehmen – erst Recht nicht in der Medizin. Häufig werden neue Geräte für immer bessere Behandlungen angeschafft. Doch ein medizinisches Gerät kann schnell 100 Millionen Euro kosten.

Damit sich die teuren Geräte für das Krankenhaus aber auch lohnen, müssen diese natürlich auch verwendet werden. Sonst wäre die Anschaffung ja nicht gerechtfertigt. So kommt es das einige Behandlungen mit teuren Geräten durchaus fraglich sind, zumindest im Bezug auf den tatsächlichen Nutzen für den Patienten. Aber jede Behandlung bringt den Klinken Geld ein. Denn die Gesetzlichen Krankenkassen müssen jede Behandlung im Krankenhaus bezahlen, so lange nicht nachweisbar ist, dass diese dem Patienten schadet. Ein gutes Geschäft für die Kliniken.

 

Teure Medikamente und 20 Jahre Patent- Schutz

Ein weiterer ernst zunehmender Verursacher von Ausgaben sind die Medikamente. Insgesamt 32 Milliarden Euro bezahlen die Gesetzlichen Krankenkassen für Medikamente im Jahr. Und die Preise für Medikamente sind trotz sehr guter Umstände für die Pharmaunternehmen, vergleichsweise sehr hoch. In Deutschland erhalten Medikamente fast am schnellsten eine Zulassung. Nur die USA erlauben neue Medikamente, einen schnelleren Zugang zum Markt. Gleichzeitig gewährt die Bundesregierung den Pharmaunternehmen einen Patentschutz von 20 Jahren. Innerhalb dieser 20 Jahre dürfen keine Konkurrenten, von dem entdeckten Wirkstoff ein Medikament herstellen. Dabei könnten die so genannten Generika, deutlich an Kosten senken. Denn sobald der Patentschutz aufgehoben wird, können diese Medikamente anderweitig produziert werden. Jedoch deutlich günstiger. Trotz dieser guten Bedingungen für die Pharmaunternehmen in Deutschland bezahlen die Deutschen besonders hohe Preise für Medikamente. In Frankreich liegen die Preise im Schnitt um 20% günstiger als in Deutschland.
Gleichzeitig besteht bei vielen neu zugelassenen Medikamenten die Frage, ob Sie überhaupt für Versicherte nützlich sind. Nicht bei allen neuen Medikamenten lässt sich eine eindeutige Wirksamkeit nachweisen. Auch ob ein neu entwickeltes Medikament überhaupt besser wirkt als vielleicht ein älteres, wird in vielen Fällen von Experten kritisch hinterfragt. Auch hier liegen also noch deutliche Einsparungs- Potentiale.

 

Apotheken verdienen bist zu 50% der Kosten für ein Präparat

Im weiteren Blick auf die Medikamente gilt es ebenfalls zu bedenken, dass in Deutschland mehr Apotheken existieren als beispielsweise Tankstellen. Eine unglaubliche Anzahl. Insbesondere das alle diese Apotheken auch noch überleben und Ihre Mitarbeiter bezahlt werden wollen. Und in dieser Anzahl sind die Kunden die in einer Onlineapotheke einkaufen, noch nicht eingezählt. Kein Wunder also das viel Geld unnötig in die Apotheken fließt. Teilweise verdienen Apotheken bis zu 50% der Kosten welche ein Präparat kostet.

 

Bürokratie in den Krankenkassen verschlingen Millionen

Doch nicht nur die Versicherten, Ärzte und Pharmaunternehmen verursachen die hohen Kosten des deutschen Gesundheitssystems. Auch die Gesetzlichen Krankenkassen müssen sich über Effizienz Gedanken machen. In Deutschland existieren aktuell noch 170 verschiedene Krankenkassen. Jede Krankenkasse verwaltet Ihre Kunden über eine eigene, zum Teil etwas veraltete Software. Genau diese Situation sorgt allerdings dafür, dass Daten der Versicherten und Behandlungen zum Teil zwei, oder im noch ungünstigeren Fall drei Mal in ein System eingearbeitet werden müssen. Das wiederum sorgt für unnötige Verwaltungskosten bei den Krankenkassen. Ein einheitliches System könnte hier deutlich Kosten senken.

 

 

Das deutsche Gesundheitssystem hat viele Schwächen. Die Krankenkassen arbeiten zu uneffektiv und verursachen Verwaltungskosten. Nach wie vor gehen viele Versicherte wegen den kleinsten Wehwehchen zum Arzt und verursache damit automatisch Kosten. Hausärzte sind teilweise dazu genötigt einen Patienten nur schnell zu begutachten und Ihn weiter zu überweisen. Ansonsten verdient ein Hausarzt auf Grund des neuen Honorarmodells nicht genug. Kliniken sind eigenständige Unternehmen und daher gezwungen wirtschaftlich zu agieren. Das führt zu unnötigen Behandlungen, deren Sinn für den Patienten teilweise fraglich sind. Dann kommen noch die Pharmaunternehmen welche Ihre Medikamente in Deutschland deutlich teurer verkaufen, als in anderen Ländern. Im Schnitt bezahlen die Deutschen 20% mehr für ein Medikament als beispielsweise in Frankreich.

 

Es gibt viele Punkte die dafür Sorgen, dass 263 Milliarden Euro für das Gesundheitssystem benötigt werden. Um dies zu ändern bedarf es wirklich an Reformen und natürlich auch an Selbstdisziplin der Versicherten. Würde aber die Bundesregierung tatsächlich einige Probleme anpacken und diese sinnvoll lösen, wären wohl die meisten Versicherten auch bereit sein, Ihren Beitrag dazu zu leisten. Und wenn es bedeutet nicht wegen dem kleinsten Husten zum Arzt zu gehen, sondern vielleicht einmal 3 bis 5 Tage abzuwarten. Ob sich die Bundesregierung zu einer sinnvollen und wirkungsvollen Reformierung durchringen kann, ist aber fraglich. Die Lobbys der Ärzte und Pharmaunternehmen (im Grunde der gesamten Medizinbranche) sind im Laufe der Jahre einfach zu stark geworden. So wird das Problem des deutschen Gesundheitssystem wohl weiterhin bestehen – so lange bis es nichts mehr geht.