Ab 2012 müssen Versicherer in Deutschland Unisex Tarife anbieten

Alle Beiträge für eine Versicherung werden anhand von dem jeweiligen individuellen Risiko kalkuliert. So orientiert sich der Beitrag einer Hausratversicherung zum Beispiel nach der zu versichernden Quadratmeterzahl und dem individuellen Wert des Hausrats. Eine Kfz Haftpflichtversicherung berechnet sich nach der Regionalklasse, der Typklasse, den zu fahrenden Kilometern und der bestehenden Schadenfreiheitsklasse des Versicherten. Der Beitrag für eine Private Krankenversicherung wird nach den gewünschten Leistungen, individuellen Gesundheitszustand, dem Eintrittsalter und dem Geschlecht berechnet. Wobei sich zuletzt genannter Risikofaktor nicht mehr zulässig sein wird.

In Zukunft wird sich die Beitragskalkulation vieler Versicherungen deutlich ändern. Denn der Europäische Gerichtshof hat entschieden, dass eine Beitragskalkulation die das Geschlecht des Versicherten als Risikofaktor berücksichtigt als diskriminierend zu werten ist. Aus diesem Grund wird sich in Zukunft einiges ändern.

 

Ab 2012 dürfen Versicherer nur noch Unisex Tarife anbieten

 Um nicht gegen geltendes Recht zu verstoßen (EU Gleichstellungsrichtlinie von 2004) und dem Europäischen Gerichtshof zu folgen, müssen die deutschen Versicherer nun die Beitragskalkulation von einigen Versicherungen ändern. Davon betroffen sind wohl insbesondere die Privaten Krankenversicherungen, Krankenzusatzversicherungen, Rentenversicherungen, Lebensversicherungen, Risikolebensversicherungen und Autoversicherungen. Denn ab dem Jahr 2012 dürfen Versicherer in Deutschland nur noch reine Unisex Tarif anbieten – also Versicherungen die das Geschlecht eines Versicherten nicht als Risikofaktor bewerten.

 

Unisex Tarife machen viele Versicherungen teurer

Doch die Unisextarife werden viele Versicherungen grundlegend teurer machen. Denn die Versicherungen müssen nun eigentlich geschlechtspezifische Merkmale wie zum Beispiel eine längere Lebenserwartung von Frauen, auf alle Versicherten umlegen. Mit anderen Worten: die Unisex Tarife müssen zu einer Allgemeinen Anhebung der Beiträge führen.

Eigentlich gilt der Zwang zur geschlechtneutralen Beitragskalkulation nur für Versicherungen die ab dem Jahr 2012 abgeschlossen werden. Doch dieses Thema könnte noch nicht ganz vom Tisch sein. Schon jetzt gibt es aktuell Forderungen von Vertretern der Branche, dass die geschlechtsneutrale Beitragskalkulation der Privaten Krankenversicherung rückwirkend für den Bestand der Versicherungen übertragen werden soll. Argument sei, dass Frauen sonst einen Unisex Tarif wechseln und dadurch manche Tarife der PKV unterkalkuliert sind. Um dies zu vermeiden, sollte die Mehrkosten durch die Unisex Tarife auch auf den Bestand übertragen werden. Dies hätte eine deutliche Beitragsanpassung für alle Privatversicherten zur Folge. Dies ist aber nicht beschlossen, sondern bildet lediglich einen Gedanken der Branche dar, wie diese mit den Folgen der Unisex Tarife umgehen soll.

 

 

Die Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs wird bei vielen Versicherungen in Deutschland zu einer starken Veränderung führen. Auch Versicherte spüren dies, indem Sie bei einigen Versicherungen mit höheren Beiträgen rechnen müssen. Ob sich eventuell sogar noch Änderungen bei den alten Verträgen ergeben, bleibt abzuwarten und nicht zu hoffen.

 

 

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