Private Krankenversicherer bemühen sich um Eindämmung der Kundenabwerbung

In Deutschland existieren im Bereich der Krankenversicherung zwei verschiedene Systeme, die Gesetzliche Krankenversicherung und die Private Krankenversicherung. Die meisten Bürger in Deutschland sind Kraft Gesetz in der Gesetzlichen Krankenversicherung pflichtversichert. Lediglich ein kleiner Teil der Bevölkerung kann in einen Tarif einer Privaten Krankenversicherung wechseln. Hierzu gehören viele Selbstständige und Freiberufler, Beamte (Beihilfe) und Arbeitnehmer welche über ein entsprechend hohes Einkommen verfügen (Jahresarbeitsentgeltgrenze). Dementsprechend versichern sich in Deutschland etwa 8,7 Millionen Menschen mit einer Privaten Krankenversicherung. Diese geringe Zahl der Versicherten beinhaltet für die Versicherer allerdings einen Nachteil, da so das Neukundengeschäft sehr schleppend läuft. Viele Private Krankenversicherer haben Sorgen, neue Kunden für Ihre Tarife zu finden. Aus diesem Grund gewinnt seit Jahren das Abwerben von Versicherten bei anderen Krankenversicherern, immer mehr an Bedeutung. Und wie das in der Versicherungsbranche durchaus üblich ist, fördern die Versicherungsunternehmen das Neukundengeschäft (indirekt auch das Abwerben von konkurrierenden Gesellschaften) mit hohen Provisionszahlungen und / oder kurzen Stornohaftungszeiten. Nun aber planen wohl einige Branchenvertreter eine Eindämmung der Provisionszahlungen der Privaten Krankenversicherer, um die Abwerbung von Kunden zu verringern.

 

Private Krankenversicherer bemühen sich um Eindämmung von Provisionszahlungen

Grundsätzlich hat das Abwerben eines Versicherten deutliche Nachteile, zum einen natürlich für die Versicherungsgesellschaft bei der ein Kunde abgeworben wird. Zum anderen hat der Kunde einen massiven Nachteil. Denn mit jedem Neuabschluss muss der Kunde für die Abzahlung der Provisionszahlungen aufkommen. Dabei können die Provisionszahlungen im Bereich der Privaten Krankenversicherungen sehr üppig ausfallen. Während eine Provision von 8 Monatsbeiträgen noch sehr gering ist (!), erklären sich manche der Privaten Krankenversicherungen bereit, bis zu 12 bzw. 14 Monatsbeiträge an Provisionen auszuzahlen. Nur um eben Neukunden zu gewinnen. Natürlich gehen die Provisionszahlungen der Versicherungen zu Lasten des Versicherten, welcher mit seinen Beiträgen für diese wieder aufkommt.

Besonders schlimm wird es für Kunden wenn diese Ihre Private Krankenversicherung schon länger besitzen und entsprechende Altersrückstellungen aufgebaut haben. Werden Sie von einem Vermittler zur Kündigung der alten Police und zum Abschluss einer neuen Privaten Krankenversicherung verführt, können Sie einen Teil Ihrer Altersrückstellungen verlieren. Eine Portierung der Altersrückstellung erfolgt nur im Umfang des Basistarifs.

 

BaFin soll Provisionszahlungen begrenzen

Natürlich merken auch die Verbraucher diese Nachteile bei Ihrer Privaten Krankenversicherung. Besonders dann wenn Ihnen ein Vermittler alle 1 oder 2 Jahre einen Wechsel empfiehlt. Die Branche verliert durch solche Fehlberatungen deutlich an Vertrauen bei den Kunden und Versicherte. Das Vertrauen leidet eh schon durch die Beitragsanpassungen. Um dem entgegen zu wirken fordern einige Branchenvertreter die BaFin auf, eine gesetzliche Begrenzung von Provisionszahlungen einzuführen. Auch eine vorgeschriebene Stornohaftungszeit von beispielsweise 5 Jahren, soll die BaFin nach Meinungen von manchen Branchenvertretern einführen.

Diese Maßnahmen könnten dazu führen, dass Abwerbungen von Versicherten nicht mehr in einem solchen Maße durchgeführt werden. Denn Vermittler die sich zu solchen Empfehlungen hinreißen lassen, würden keine so hohen Provisionen mehr erhalten und Ihren Anreiz verlieren. Durch die Erhöhung der Stornohaftungszeit würden Vermittler den Wechsel der Privaten Krankenversicherung innerhalb weniger Jahre nicht mehr empfehlen, da Sie sonst erhaltene Provisionen wieder zurückzahlen müssten.

 

 

Grund weshalb die BaFin hier eingreifen soll, besteht darin, dass die Privaten Krankenversicherer sich nicht untereinander einigen können – bzw. sich eher nicht absprechen dürfen. Würden sich die Krankenversicherer selbst auf eine maximale Provisionsauszahlung einigen, käme dies einer Preisabsprache gleich. Dies wiederum dürfte das Bundeskartellamt aufhorchen lassen.

Sollte die BaFin tatsächlich den Forderungen nachkommen, wäre dies zum deutlichen Vorteil für die Versicherten der Privaten Krankenversicherung. Sie würden dann wahrscheinlich nicht mehr ständig zu einem Wechsel Ihrer Versicherung überredet und müssten nicht ständig neue Abschlusskosten bezahlen.

 
 

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